| Nur auf den ersten Blick glaubt man, seit dem letzten Besuch habe sich kaum etwas verändert. Aber es ist nur die Atmosphäre, die zeitlos scheint und jedes Mal wieder den Eindruck erweckt, als wäre man für ein oder zwei Stunden in einer anderen Welt. Ernst-Ulrich Walter, der Gastgeber, sitzt über seine Unterlagen gebeugt in einem Kabäuschen, das überzuquellen scheint. Alte Schriften über den Orient stehen neben Buddha-Figuren und kunstvollen Schnitzereien. Daneben liegen ganz selbstverständlich das Bürgerliche Gesetzbuch und andere juristische Fachliteratur. Der 81-Jährige arbeitet nach wie vor als Anwalt. Mittlerweile nimmt er sich jedoch nur noch ausgewählte Fälle vor. Sein zum Museum umfunktionierter Gutshof in Leutwitz fordert seine ganze Zeit und kraft. Ganz oben auf einem Aktenstapel liegt die Ankündigung zu "seinem' Film. Vor kurzem feierte die Dokumentation Premiere im Dresdener Kino "Schauburg". 'Alles hat mit den ersten Zeitungsberichten über mich und meine Sammlung vor ein paar Jahren angefangen. Irgendwann kam der Filmemacher Thomas Eichberg hierher und hat gefragt, ob er meine Arbeit eine Zeitlang begleiten dürfe", erzählt Ernst-Ulrich Walter. Er war einverstanden, und seitdem hat das Filmteam immer wieder in Leutwitz gedreht. Bei Konzerten, zu denen der Hausherr gelegentlich einlädt oder bei seinem 80. Geburtstag im letzten Jahr. Jeweils zwei Wochen lang waren Regisseur und Kameraleute außerdem mit Ernst-Ulrich Walter an Ausgrabungsstätten in der Türkei und in Marokko. "Dann habe ich da in der Wüste gesessen und erzählt - von Religionen und griechischer Mythologie, von Philosophie und Geschichte", erinnert sich der Anwalt lächelnd. Am Ende war genug Material für 15 Stunden Film vorhanden. 90 Minuten sind am Ende übriggeblieben. Anderthalb Stunden, in denen versucht wird, ein ungewöhnliches Leben nachzuerzählen. Ein Leben, das von stetiger Suche und nie enden wollendem Interesse für andere Kulturen geprägt ist. Ernst-Ulrich Walter hat fast die gesamte Welt bereist und dabei einen schier unerschöpflichen Fundus an Kunst, aber auch Alltagsgegenständen vor allem aus Afrika und Asien zusammengetragen. Stück für Stück hat er in den letzten zehn Jahren von Wuppertal nach Leutwitz bringen lassen, auf jenen Dreiseithof, der einst Ernst-Ulrich Walters Großvater gehörte und den der Enkel nach der Wende wieder in Besitz nahm. "Ich hätte mir gewünscht, dass in dem Film noch ein paar mehr meiner besonderen Stücke gezeigt werden würden', sagt er und deutet mit einer weitschweifenden Handbewegung auf alles, was ihn umgibt. Trotzdem ist er mit dem Ergebnis der mehrjährigen Dreharbeiten zufrieden. 'Die meisten Leute, die den Film schon gesehen haben, waren doch sehr ergriffen", sagt er. Der Film gehört für Ernst-Ulrich Walter schon fast wieder zur Vergangenheit. Andere Dinge beschäftigen ihn zurzeit mehr. Zum Beispiel die geplante lnventarisieruflg eines Teiles seiner Sammlung oder die Werbetafeln, die er für sein Museum anfertigen will. Während er davon erzählt, öffnet sich die alte, schwere Haustür. 'Guten Tag, Sie müssen Herr Walter sein." Zwei Männer mittleren Alters strahlen den überraschten Hausherren an. Wir kommen aus Zürich und sind gerade wegen eines Klassentreffens in Bautzen. Da haben wir von ihrem Museum gehört und wollten unbedingt herkommen', sprudelt einer der beiden in einer lustigen Mischung aus Schweizerisch und Sächsisch hervor. Natürlich wird Ernst-Ulrich Walter die Gruppe empfangen, nur nicht heute. "Es wäre gut, wenn Sie sich vorher anmelden", gibt er den beiden Herren freundlich mit auf den Weg. Besucher kommen ständig in das 50-Seelen-Dörfchen Leutwitz, das seine wachsende Bekanntheit bei Archäologie- und Orientsinteressierten aus verschiedenen Ländern dem Weltenbummler aus Wuppertal verdankt. Der Bundesbeauftragte für Museumswesen war schon da, renommierte Forscher ebenso. Dazu kommen die vielen Schaulustigen aus ganz Sachsen und darüber hinaus. Ernst-Ulrich Walter ist der Erfüllung seines Lebenstraums in den letzten zwei Jahren wieder ein Stückchen näher gekommen. Als SZ ihn das letzte Mal besuchte, waren noch alle Schätze im Wohnhaus verstaut. Der Platzmangel war offenkundig, und eigentlich ist er es auch heute noch, denn noch immer harren Teppiche, Stickereien, Kunstschnitzereien in Kisten aus. Einiges davon hat jedoch inzwischen ein neues Domizil gefunden. Die alte Scheune gegenüber dem renovierten Gutshaus sieht so aus, wie man es von einer Scheune erwartet: grober Feldstein, etwas windschiefe Tore. Wem der Hausherr Eintritt gewährt, der vergisst sofort das unscheinbare Außere. Gemeinsam mit zwei Helfern hat der Jurist einen Teil des alten Gemäuers ausgebaut. Im unteren Teil befindet sich jetzt das persische Zimmer mit wunderschönen Gemälden, arabischen Kaffeekannen, Kleinodien aus 1001 Nacht. Im Obergeschoss wartet Asien auf den staunenden Gast, dessen Schritte die weichen, handgeknüpften Teppiche verschlucken. "Wenn die Dinge hier alle erzählen könnten", sagt Ernst-Ulrich Walter und lässt den Satz unvollendet. Jeder kann hier oben selbst entscheiden, was ihm die Relikte aus 6 000 Jahren menschlicher Kulturgeschichte zuf lüstern können. Natürlich will Ernst-Ulrich Walter weitermachen. Der Rest der Scheune könnte noch so vieles mehr beherbergen. Fertig ist es noch lange nicht: das Museum für Morgenlandfahrer in Leutwitz. |
| Unsere Gemeinschaft ist entstanden aus der Suche nach Gott als Mitte des Lebens. Weil wir für unsere Mitwelt, Gottes Schöpfung, Verant-wortung tragen. soll unser Leben eine Alterna-tive zu ungerechten Strukturen in der Gesellschaft und Zerstörung der Schöpfung sein. Das ist allein oft schwer. Deshalb haben wir uns im Mai 1988 in Leutwitz zusammengeschlossen. um alles miteinander zu teilen. o Gebetsgemeinschaft o Gütergemeinschaft o Arbeitsgemeinschaft o Gastfreundschaft sind die Hauptsäulen unseres Lebens. Schon bald, noch vor der Wende, entstanden Kontakte zur Franziskusgemeinsehaft in Pinkafeld im Burgenland (Österreich). die schon sieben Jahre bestand und die gleichen Ziele verfolgte und auch unserer Spiritualität sehr nahe stand. Seit über drei Jahren gehören wir nun zusammen und bilden die Franziskusgemeinschaft an zwei Orten. Zur Gemeinschaft gehören 22 Mitglieder, welche sich "Geschwister" nennen. Davon leben 16 in Pinkafeld und fünf in Leutwitz. Als assoziiertes Mitglied lebt Pere Philippe vom Orden der Weißen Väter bei den Armen in Tunesien. Zur Zeit besteht die Gemeinschaft nur aus katholischen Mitgliedern. Wir sind aber grundsätzlich ökumenisch eingestellt. 1997 konnte unsere neu gestaltete Kapelle von Bischof Reinelt geweiht werden. Unseren Lebensunterhalt können wir durch unsere kleine Landwirtschaft, welche wir nach den Regeln des Ökolandbaus durchführen, kaum bestreiten. Deshalb haben zwei Geschwister Arbeitsverträge außer Haus. Ein guter Freund und geistiger Vater der Gemeinschaft, der Schriftsteller Carlo Caretto sagte uns einmal: "Schafft Orte, wo gebetet wird, und die Menschen werden zu euch kommen!" So ist es tatsächlich! Neben vielen Menschen, die einfach nur Freude an gemeinsamer Arbeit in der haben, besuchen uns viele, die Vertiefung im Glaubensleben su-chen oder ganz allgemein auf der Suche nach ihrem Lebensweg sind. Wir freuen uns über Menschen, die deshalb Tage. Wochen oder Mo-nate mit uns und bei uns das Leben teilen wollen. Für den, der eine Mitgliedschaft anstrebt. ist es wichtig zu wissen, daß nach einer zu ver-einbarenden Probezeit ein eineinhalb Jahre währendes Postulat / Noviziat zu bestehen ist, nach welchem über die Aufnahme entschieden wird. Wir halten diese Zeit, die manchem vielleicht sehr lang erscheint, wichtig, da das Leben in Gemeinschatl neben seinen schönen und befreienden Aspekten auch sehr fordernd ist. Wer Interesse für einen Besuch hat, sollte sich telefonisch (035953-8431) anmelden, da wir nur in begrenztem Maße Unterkunft anbieten können. Franziskusgemeinschaft Leutwitz e. V. |